Länder: Die Gehälter sind „ein Witz“; 06/2009


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Die Gehälter sind „ein Witz“

Erzieherinnen und Sozialarbeiter streiken für mehr Geld und besseren Gesundheitsschutz

Seit Wochen gehen sie auf die Straße, um für einen besseren betrieblichen Gesundheitsschutz und eine höhere Eingruppierung zu demonstrieren: die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Am 30. April waren die Tarifverhandlungen zwischen ver.di, GEW und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber verbände (VKS) gescheitert, bei der am 7. Maieingeleiteten Urabstimmung votierten fast 90 Prozent für Streik.

Die Gewerkschaften verhandeln für rund 220.000 Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter im öffentlichen Dienst. Trotz extrem hoher Arbeitsbelastung werden sie, so der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske, unterdurchschnittlich bezahlt. 60 Prozent der Erzieherinnen seien teilzeitbeschäftigt und gingen trotz fünfjähriger Berufsausbildung häufig mit 800 bis 900 Euro netto nach Hause. „Und das bei einer Arbeit, die täglich auch an die Grenzen gesundheitlicher Belastung geht“, kritisiert er. Die Forderungen deshalb: Ein Anfangs ge halt von 2.330 Euro, dann über die Berufsjahre hinweg bis zu 3.400 Euro. Außerdem besserer Gesundheitsschutz, z. B. Lärmschutzmaßnahmen und „rücken gerechtes Mobiliar“ sowie das Recht, Gesundheitsbelastungen am Arbeitsplatz individuell zu erfassen und beseitigen zu lassen.

Schön anstrengend

„Der Beruf der Erzieherin ist ein schöner und verantwortungsvoller Beruf. Aber nicht, wenn die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden und die berufstypischen Gesundheitsrisiken immer mehr wachsen“, sagte der GEW Landesgeschäftsführer Bernd Schauer auf einer Streikversammlung in Kiel. Die Anforderungen seien enorm gestiegen. Ein Einstiegsgehalt von 1.922 Euro (Entgeltgruppe 6) wirke „wie ein schlechter Witz“. Die Eingruppierung in Entgeltgruppe 9, so die Forderung, entspreche einer Erhöhung um rund 300 Euro.

Bundesweite Streiks

Schwerpunkte der Streiks seit dem 15. Mai waren Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Hessen und Bremen, später folgten Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und das Saarland mit über 15.000 Beschäftigten. Mehr als 25.000 Beschäftigte beteiligten sich an Streiks in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und an Warnstreiks in Hamburg. 10.000 kamen zu einer Großkundgebung in Wuppertal, 5.000 demonstrierten in Fulda.

Gesundheitsschutz nach Belieben

Das „deutliche Signal“ von Arbeitgeberseite blieb bislang aus. „Das, was uns die Arbeitgeber vorgelegt haben, beinhaltet keine Rechte für die Beschäftigten. Es enthält lediglich Kann-Regelungen. Gesundheitsschutz soll nach Belieben erfolgen“, kritisierte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Achim Meerkamp am 27. Mai. Am 28. Mai gingen erneut rund 15.000 Beschäftigte aus Kitas, Jugendeinrichtungen und Sozialämtern auf die Straße. In Chemnitz blieben sechs Kitas geschlossen. „Der gesetzliche Gesundheitsschutz reicht für Erzieherinnen nicht aus. Große Gruppenstärken durch zu wenig Personal und damit einhergehend Lärm und Stress belasten nicht nur Erzieherinnen, sondern auch die Kinder“, betonte Annelie Schnei der, ver.di-Bezirksgeschäftsführerin. Am 2. und 3. Juni wurde in Nordrhein-Westfalen gestreikt, in Sachsen-Anhalt kam es zu Arbeitsniederlegungen. Dazu GEW-Landeschef Thomas Lippmann: „Das Interesse der Arbeitgeber ist, Kitas als betriebswirtschaftlich wettbewerbsorientierte Unternehmen zu führen. Gesundheitsschutz ist für sie nur ein ökonomischer Faktor.“

Anerkennung gefordert

Am 15. Juni kamen 30.000 Kita-Mitarbeiterinnen aus dem gesamten Bundesgebiet zur Großkundgebung nach Köln. Bundespolitiker aller Parteien beteiligten sich an der Demo. Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) unterstützte in ihrer Rede die Erzieherinnen: „Eure Forderungen sind berechtigt.“ Schon vorher hatte sie deutlich gemacht: „Wir müssen stärker anerkennen, welch wichtige Arbeit die Erzieherinnen leisten. Zur Zeit gelten Besoldungsstrukturen, die Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten unzumutbar beschränken“.

Quelle: Beamten-Magazin 6/2009

















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